Klimawandel in Offenburg

Das Offenburger Klima

 

Das Klima in Offenburg ist warm und gemäßigt, es wird nach der Klima-Klassifikation von Köppen-Geiger mit Cfb bezeichnet. In der Klimanormalperiode von 1961-1990 betrug die jährliche Durchschnittstemperatur 10,05 °C und es fielen durchschnittlich 913 mm Niederschlag im Jahr. Die Niederschlagsmenge wird insbesondere durch den Staueffekt der Luftmassen am Rande des Schwarzwaldes bedingt.

 

Klimawandel in Offenburg

 

Seit Beginn der Messungen in Offenburg sind die Durchschnittstemperaturen nachweisbar angestiegen. Die höchste Veränderung konnte in den Wintermonaten gemessen werden, insbesondere im Januar stiegen die mittleren Temperaturen um 130 %. In den Sommermonaten macht sich der Klimawandel vor allem in der Zunahme von heißen und extrem heißen Tagen bemerkbar. Sogenannte Wüstentage, also Tage, an denen 35 Grad Celsius und mehr erreicht werden, stellten noch bis in die 1990er Jahre eine Ausnahme dar. Seit den 2000er Jahren und noch mehr in den 2010er Jahren gehören sie zu den Offenburger Sommern dazu. Das Mittel der Jahresdurchschnittstemperaturen der Jahre 1991 bis 2018 liegt knapp zwei Grad über dem der letzten Klimanormalperiode.

 

Warming stripes für Offenburg

 

Die Jahresdaten des Deutschen Wetterdienstes für die Offenburger Station sind ab dem Jahr 1927 online abrufbar. Eine eindrückliche Grafik, die sogenannten „Warming stripes“ nach Ed Hawkins zeigt die Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Jeder Balken entspricht der Mitteltemperatur eines Jahres. Die dunklen Blautöne stehen für kühlere Jahre, die helleren Farben bedeuten Jahre mit durchschnittlichen Jahresmitteltemperaturen und die roten Farben wärmere Jahre. Die Mehrzahl der warmen Jahre liegt eindeutig innerhalb dieses Jahrtausends, die Mitteltemperaturen lagen bis auf zwei kühlere Jahre immer über 11 °C. 2018 betrug sie sogar 13,1 °C, die höchste je in Offenburg gemessene Jahresdurchschnittstemperatur. Derartige hohe Jahresdurchschnittstemperaturen wurden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Offenburg nicht gemessen. Während des 20. Jahrhunderts lagen die Durchschnittstemperaturen zwischen 8 und 10,5 °C.

 

In Bezug auf die jährliche Niederschlagssumme ist eine leichte Abnahme seit Beginn der Messungen 1965 erkennbar. Das niederschlagsärmste Jahr war 2018 mit weniger als 600 mm, die niederschlagsreichsten Jahre liegen zu Beginn der Aufzeichnungen. Die beobachtete Veränderung ist nicht gleichmäßig über das gesamte Jahr verteilt. Innerhalb der letzten 30 Jahre konnte im Juni ein Rückgang um 18 % im Vergleich zur Klimanormalperiode bestimmt werden. Während der Vegetationsperiode hat eine Verringerung des Niederschlags große Auswirkungen auf die Vegetation und damit auch die landwirtschaftliche Produktivität. 

 

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat in seinem Bericht 2014 herausgestellt, dass durch den Klimawandel auch die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse ansteigt. Zu diesen zählen zum Beispiel Hitze- oder Kältewellen oder Sturmereignisse. Im Vergleich zur mittleren Jahrestemperatur oder der jährlichen Niederschlagssumme sind diese Extremereignisse besser erfahrbar und greifbarer. Mithilfe sogenannter klimatologischer Kenntage lässt sich die Häufigkeit und damit die Veränderung der Extremereignisse besser bestimmen. Ein Kenntag ist ein Tag, an dem ein bestimmter Schwellenwert (z.B. 0 °C oder 35 °C) eines klimatischen Parameters (z.B. Temperatur oder Niederschlag) über- oder unterschritten wird. Sommertage haben ein Temperaturmaximum von über 25 °C, heiße Tage ein Maximum von über 30 °C, Tropennächte ein Temperaturminimum von über 20 °C, Frosttage ein Temperaturminimum von unter 0 °C und Eistage ein Maximum von unter 0 °C.

 

In den folgenden Graphiken sind die kumulierten Anzahlen der entsprechenden Kenntage dargestellt. Ein allgemeiner Trend zu mehr Sommertagen und heißen Tagen sowie weniger Frost- und Eistagen ist feststellbar. Die extreme Hitzewelle im Jahr 2003 zeigt sich mit über 100 Sommertagen, knapp 40 Hitzetagen und zwölf Wüstentagen mit über 35 °C Maximaltemperatur. Während des Rekordjahres 2018 wurden 113 Sommertage, 42 Hitzetage und acht Wüstentage gemessen. Betrachtet man die Anzahl der Tropennächte, d.h. eine Minimaltemperatur eines Tages von über 20 °C, so ist eine starke Zunahme festzustellen. Bis 1982 wurden überhaupt keine warmen Nächte gemessen, danach stieg die Anzahl langsam, innerhalb des letzten Jahrzehnts dagegen traten vermehrt Tropennächte auf.

 

In Bezug auf den Niederschlag sind Extremereignisse schwerer zu ermitteln. Hagelgewitter beispielsweise sind aufgrund ihrer kurzen Lebensdauer und geringen räumlichen Ausdehnung von großflächigen meteorologischen Beobachtungssystemen nur schwer zu erfassen. Starkregenereignisse können selten dokumentiert werden, da insbesondere Niederschlagsmesser häufig nur sechsstündlich oder einmal täglich ausgewertet werden oder die Daten direkt in Tageswerte umgewandelt werden.

 

Die erhöhten Temperaturen haben auch einen Einfluss auf die Vegetationsperiode, die im Allgemeinen mit einer Tagesmitteltemperatur von 5 °C definiert wird. Seit Beginn der Messungen konnte in Offenburg eine leicht verlängerte Vegetationsperiode festgestellt werden. Diese Zahlen sind nur als Richtwert zu verstehen, da auch außergewöhnlich warme Tage im Januar zum Beispiel von dieser Definition berücksichtigt werden, aber nicht zur eigentlichen Vegetationsperiode zählen. Nach anderen Methoden oder Definitionen markiert eine Dauer von fünf Tagen mit einem Mittelwert über 5 °C den Beginn der Vegetationsperiode.